Mehr Gefühl

Porsche Camp4

Gegenlenken, weisst Du noch?

Die Welt wird immer schneller. Präziser. Besser. Unter 400PS traut man sich ja kaum mehr aus der eigenen Garage. Mit Turboladern, Kompressoren, Doppelkupplungen, Launch-Control, Leichtbau und hochsensiblen Steuergeräte erziehen die Hersteller ihre Sportwagen zu den perfekten Maschinen. Doch wie ist das mit dem Fahren? Meist wie mit der Computernutzung: Anwenderfehler. Deshalb gibt es Fahrerlebnisschalter, Sport-Modi, ja sogar Sport-Plus-Modi. Man lässt den Piloten im Gefühl er wäre Walter, ganz ein grosser Virtuose am Lenkrad und im Hintergrund werkeln die Sicherheitsnetze fleissig weiter.

Um zu erfahren wie es sich anfühlt, wenn man auf sich alleine gestellt ist, keine Traktionskontrollen den Gaseinsatz wegnehmen und keine Stabilitätsprogramme den Dreher abfangen, sind wir wieder in die Schule gegangen. Die Porsche Sport Driving School am Polarkreis im finnischen Rovaniemi. Dort ging es vor allem um Gefühl. Gefühl für den Grip der Strecke, den Lenkeinschlag und den Gaseinsatz. Denn das Gefühl ist es, was durch den ganzen Knöpfchen-Fortschritt verloren gegangen ist. Ein hartes Fahrwerk und ein aggressives Gaspedal hat mit sportlichem Fahren nämlich exakt so viel zu tun, wie ein Mitsubishi iMiev mit der Lösung künftiger Mobilitätsprobleme.

Und so mussten wir unser Gefühl auch wieder etwas schärfen. Trotz eindringlicher Warnung des Instrukteurs, es zu Beginn doch lieber ruhig angehen zu lassen, rief unser 911 mehr als einmal nach dem rettenden Cayenne, um aus der Schneewand befreit zu werden. Denn muss man auf trockener Strasse meist doch etwas hart zum Material sein, um ein wenig mit dem Heck zu wedeln, geht das auf Schnee und Eis ganz locker.

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